Und wenn Helmut Lachenmann melophob wäre?

Dies ist eine kleine Betrachtung über Helmut Lachenmann, seine teilweise Abkehr vom Geräusch und sein Verhältnis zur Melodie.

Routine ist der Tod jeder Kunst, auch und gerade dort, wo sie gegen eingeschliffene Wahrnehmungsgewohnheiten rebelliert. Das erkannte schon Strawinsky, als er „Und wenn Helmut Lachenmann melophob wäre?“ weiterlesen

Die Welt der Graciela Paraskevaídis

CD Cover Graciela ParaskevaídisGraciela Parasakevaídis gehört zu denjenigen Komponisten und Komponistinnen, deren Qualitäten leider erst nach ihrem Tod so richtig entdeckt werden. Wer es noch nicht gemacht hat, kann es mit dieser CD nachholen. „Die Welt der Graciela Paraskevaídis“ weiterlesen

Hugues Dufourts sinfonisches Schlagzeugstück „Burning Bright“

Hugues Dufourt, Burning Bright„Burning Bright“ lautet der Titel dieses rund einstündigen, für die Percussions de Strasbourg geschriebenen Schlagzeugstücks. Hugues Dufourt, Komponist, Wissenschaftsphilosoph und Theoretiker der ehemaligen Gruppe der Spektralisten, liebt die großen, mit strategischer Intelligenz entworfenen Formen, und seine „Hugues Dufourts sinfonisches Schlagzeugstück „Burning Bright““ weiterlesen

Helmut Lachenmann und die Transzendenz

Helmut Lachenmann Es mag vermessen erscheinen, im Zusammenhang mit der Musik von Helmut Lachenmann von Transzendenz zu sprechen. Wie kaum ein anderer legt er, wenn er sich über seine Musik äußert, sein Augenmerk strikt auf Fragen des musikalischen Materials und dessen Wahrnehmung, und nichts ist ihm so verdächtig wie eine spekulative, durch das Hören nicht gedeckte Interpretation des real Erklingenden, „Helmut Lachenmann und die Transzendenz“ weiterlesen

Helmut Lachenmann zur Alpensinfonie von Richard Strauss

Dieses Gespräch mit Helmut Lachenmann über die Alpensinfonie von Richard Strauss entstand im Hinblick auf ein Konzert des Ensemble Modern Orchestra beim Lucerne Festival 2005. Auf dem Programm stand neben der Alpensinfonie auch Lachenmanns „Ausklang“.

Helmut Lachenmann, es war Ihre Idee, die Alpensinfonie von Richard Strauss neben Ihre Komposition „Ausklang“ für Klavier und Orchester zu stellen. In der Konfrontation drängt es sich geradezu auf, sie als eine Inkarnation dessen zu hören, was Sie einmal den „ästhetischen Apparat“ genannt haben: die Gesamtheit der gesellschaftlichen Bedingungen für die Kunstproduktion einer Epoche, in diesem Fall der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Strauss wird oft nachgesagt, er habe sich in diesem Apparat gemütlich eingerichtet und seine Musik sei entsprechend unreflektiert, was ihren Zeitbezug angehe.

Helmut Lachenmann: Die Alpensinfonie ist keine unreflektierte Musik. Sie gibt sich ungebrochen, aber das ist etwas anderes als unreflektiert. „Helmut Lachenmann zur Alpensinfonie von Richard Strauss“ weiterlesen

Pierre Boulez und die Dominanz der Wahrnehmung

Pierre Boulez, der abstrakten Theoretiker und Dogmatiker des frühen Serialismus, wandelte sich im Lauf der Zeit schrittweise zum erfahrungsorientierten Praktiker. Erste Anzeichen einer Abkehr vom dogmatischen Denken gab es bei ihm schon in den 1950er Jahren. Er selbst machte daraus nie ein Geheimnis.

Das war nur Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz, und man hat sehr schnell gesehen, dass das nicht sehr weit geführt hat,

erklärte er 2004 auf die Frage nach dem Kompositionsprinzip im Ersten Buch der „Structures“. „Pierre Boulez und die Dominanz der Wahrnehmung“ weiterlesen

Porträt José Luis de Delás

José Luis de DelásAm 28. März 2018 wird José Luis de Delás 90 Jahre alt. Der spanische, in Barcelona geborene Komponist studierte ab 1949 zunächst in München und kehrte 1957 nach einigen Jahren Heimataufenthalt endgültig nach Deutschland zurück. Heute lebt er in der Nähe von Köln, der Stadt, in der er jahrzehntelang gewohnt und gearbeitet hat. „Porträt José Luis de Delás“ weiterlesen

Zum Schaffen von Klaus K. Hübler: Nicht Pathos, sondern Heiterkeit

Im Zusammenhang mit seinem 3. Streichquartett sagte Klaus K. Hübler 1985 im Interview, er wolle eine bestimmte konstruktive Klangwelt erzeugen – konstruktiv nicht im Sinn einer technoiden Welt, sondern als Verbindung von intellektuellen und klangsinnlichen Elementen. „Um diese zu erzeugen, vor allem auch den Eindruck des Polyphonen, muss ich einfach einen bestimmten Komplexitätsgrad setzen. Nur mit Achtelnoten erreiche ich es nicht.“

Da sprach also einer ganz ungeniert von Komplexität und von konstruktiver Klangwelt, und dies in einer Zeit, in der solche Begriffe kaum positiv benutzt werden durften, ohne gleich Aggressionen auszulösen. „Zum Schaffen von Klaus K. Hübler: Nicht Pathos, sondern Heiterkeit“ weiterlesen

Klaus K. Hübler und die erfüllte Zeit

Ein Gespräch aus früheren Jahren zur Erinnerung an Klaus K. Hübler. Nach einem vielversprechenden Anfang fiel er 1989 einer schweren Krankheit zum Opfer, die eine lebenslange Behinderung zur Folge hatte. Doch mutig setzte er seine kompositorische Arbeit über all die Jahre hinweg fort. Nun ist er am 5. März 2018 in München in seinem 62. Lebensjahr verstorben. „Klaus K. Hübler und die erfüllte Zeit“ weiterlesen

Hans Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“

Das 1968 in Hamburg uraufgeführte Oratorium „Das Floß der Medusa“ von Hans Werner Henze steht in einer respektablen Tradition: der Tradition der großen Konzert- und Musiktheaterskandale im 20. Jahrhundert. Alle diese Werke verbindet ein gemeinsames Schicksal. Ein Skandal verschafft eine rasche, durchschlagende Bekanntheit, verhindert aber zugleich eine seriöse Auseinandersetzung mit den künstlerischen Qualitäten. „Hans Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa““ weiterlesen